Welcome in Costa Rica! Fast 5.000 QSO aus Costa Rica und viel Spaß gehabt! Der nachfolgende Artikel ist vor allem dazu gedacht, Leser für eine DX-Expedition nach Costa Rica zu ermuntern. Darüber hinaus möchte ich den erforderlichen Planungs- und Geldaufwand darstellen.
Wohin soll’s denn gehen?
Für meine kleine DX-Expedition standen mir gute 2 Wochen in der Zeit von Ende Februar bis Mitte März zur Verfügung. Da ich neben der Funkerei noch Sonne tanken wollte, stand von vorneherein fest, dass das in frage kommende QTH außerhalb Europas liegen muß. Mit den Planungen habe ich Anfang Februar, also rund 3 Wochen vor Abflug begonnen. Für die Auswahl des QTH habe ich die folgenden Internet-Seiten zu Rate genommen: www.dxholiday.com von K2KW und www.funk-urlaub.de. Daraus habe ich für mich eine Auswahl getroffen und die entsprechenden OMs per e-mail angeschrieben. Innerhalb weniger Tage war dann klar, was möglich war und was nicht. Die Antworten waren hoch interessant. Für die Top-Contest-Stationen in der Karibik muß man bis zu US$ 2.500 / Woche investieren. Ein anderer OM wollte für die Benutzung seiner Station eine Gerätespende und dessen Freund gar US$ 10.000 / Woche! Das war alles nichts für mein Reisebudget, so dass nur noch 1 QTH übrig blieb: Costa Rica (TI) an der Station von Günter TI7WGI.
Weshalb Costa Rica?
Für Costa Rica haben für mich mehrere Gründe gesprochen. Zum einen war ich bisher noch nie in Süd- bzw. Mittelamerika und zum anderen wollte ich ja nicht nur funken, sondern auch etwas vom Land anschauen. Und da bietet Costa Rica mit seiner überwältigenden Tier- und Pflanzenwelt sehr viel. Nachdem ich mich für TI entschieden habe, habe ich Günter angeschrieben und ihm mitgeteilt, dass ich kommen werde. Darauf hin habe ich noch einige wertvolle Infos bzgl. Übernachtungsmöglichkeit nach meiner Ankunft in San José, Gastlizenz und zur Anreise zu seinem QTH erhalten. Kurz darauf hatten wir unser erstes QSO auf 15m, wo wir dann noch viele Details besprechen konnten.
Wie gelangt man nun nach Costa Rica?
Nach meinen Informationen gibt es keine Charterflüge von DL aus und auch keine Direktflüge. So bleibt nur die Anreise über die USA oder über Caracas (YV). Die für mich günstigste Verbindung war die Stecke Stuttgart – Paris – Caracas – San José. Wer früh genug bucht (nicht so wie ich!) erhält ein Ticket schon ab € 700, der Flug dauert rund 18 Stunden inkl. der Zwischenstops.
Die Ankunft in San José
Nachdem ich dann am Abend planmäßig in der Hauptstadt San José gelandet bin, ging es dann gleich zum nahe gelegenen Hotel „La Trinidad“ in Alajuela. Das Hotel wird von einem Paar aus Nürtingen geführt, sodaß ich gleich wieder heimatliche Gefühle hatte! Ich habe mich dort einige Tage aufgehalten und mir die Gegend und einige schöne Nationalparks angeschaut. Interessanter weise haben in dem gleichen Hotel schon die DX-Expeditionäre der letzten TI9-Expedition übernachtet.
Die Gastlizenz
Nach meinem Kenntnisstand werden in Costa Rica an Ausländer keine TI-calls vergeben. Somit benutzt der Gast sein Heimatrufzeichen mit angehängtem TI8. Die Lizenz erhält man im Sicherheitsministerium in San José. Erforderlich ist eine Kopie des Reisepasses und der deutschen Lizenzurkunde. Nach der Einzahlung von 20 Colones (umgerechnet € 0,06 !!!) auf der nahegelegenen Bank, erhält man seine Gastlizenz. D.h. in 2 Stunden ist alles erledigt.
Ankunft bei Günter (TI7WGI) in Playa del Coco
Von San José aus erreicht man Playa del Coco mit dem Bus in 5 Stunden. Günters QTH liegt direkt an der Pazifikküste im Nordwesten des Landes und ist ca. 250 km von San José entfernt. Er betreibt dort das kleine Hotel „Casa Talamanca“. Der Busfahrer hat direkt vor Günters Hotel angehalten, wo ich schon erwartet wurde. Nach der Besichtigung seiner Station (FT-101, SB-200 und TH4 auf einem 18m Gittermast) sind wir erst mal zum Abendessen an den Strand. Meinen TS-850S habe ich aus DL mitgebracht, da ich auf meinen gewohnten Transceiver nicht verzichten wollte. Zum loggen meiner QSO konnte ich Günters PC verwenden.
Das Pile up
Obwohl das QTH an der Pazifikküste liegt und Europa und die Ostküste der USA (W2) fast 10.000 km entfernt liegen, überraschten mich die großen Feldstärken. Nicht wie in der Karibik, lag das Meer, sondern ganz Costa Rica vor meiner Hauptstrahlrichtung. Die USA sowieso und Europa konnte fast den ganzen Tag über gearbeitet werden. Mit 1450 QSO (CW / SSB) und nochmals 3350 QSO im ARRL-DX-Contest (SSB) konnte ich QSO-Raten bis 240 QSO/h erreichen. Im Contest habe ich ohne PA gefunkt und auch sonst, war die Endstufe nicht immer eingeschaltet. Schon daran sieht man, wie gut der Standort und die Antenne funktioniert hat. Hier konnte ich dann life erleben, dass ein Europa pile up zu den größten Heraus-forderungen überhaupt gehören. Die Disziplin der Europäer, einschließlich vieler DLs, ermöglicht keine so hohen QSO-Raten wie nach USA oder Japan. Es ist wirklich so schlimm, wie man in anderen Expeditionsberichten lesen kann! Natürlich hätte man noch mehr funken können, aber Günters QTH liegt nur 900m weg vom Strand und auch sonst eignet sich der Standort sehr gut für Ausflüge in den Norden Costa Ricas. Und bei diesem Angebot lag meine Priorität nicht nur beim Funken.
Kosten
Die Lebenshaltungskosten sind in Costa Rica etwas unter denen hier in Deutschland. Für sämtliche Übernachtungen habe ich US$ 15/d im Einzelzimmer inkl. Frühstück bezahlt. Die Fahrten mit dem Taxi und den öffentlichen Verkehrsmitteln kosten nur einen Bruchteil wie hierzulande. Für weitere Informationen eignet sich Günters homepage unter www.qsl.net/ti7wgi. Dort findet man auch eine Bildergalerie von Olaf (DL7CX), der dort ebenfalls schon schöne Urlaubstage verbracht hat.
Wer also einen interessanten Urlaub mit einigen Tagen Amateurfunk verbringen möchte, liegt in Costa Rica völlig richtig.
Viel Spaß beim nachmachen! Euer Markus
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